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DVD Review: "The Pacific"
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Der Pazifikkrieg schwelte in Asien zwischen Japan und China Ende der 1930er Jahre und zog die USA mit dem Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 in den Konflikt hinein. Ein besonders tückisches Element des Konflikts war, dass nicht auf einem einheitlichen Festland, sondern auf See sowie einer Vielzahl kleiner Inseln gekämpft wurde. Mehr als der Konflikt selbst ist dessen Ende mit den beiden atomaren Angriffen auf Hiroshima und Nagasaki bekannt, die unter hohen – auch zivilen – Opfern die Kapitulation Japans erzwangen.
Die 10-teilige HBO-Serie „The Pacific“ rollt diese Ereignisse auf und erzählt sie episodenhaft aus der Perspektive verschiedener junger amerikanischer Männer nach dem von „Band of Brothers“ bekannten Muster. Während die Protagonisten in der ersten Folge in ihrem zivilen Umfeld gezeigt werden, greift die zehnte und letzte Folge diesen Rahmen auf und zeigt die Rückkehr jener, die das Kriegsende erlebt haben – und wenn nicht als gebrochene, so doch zumindest als veränderte Persönlichkeiten in ihre Heimat zurückkehren und die Erlebnisse auf sehr unterschiedliche Weise verarbeiten.
Das Besondere an „The Pacific“ ist, dass im Fokus nicht der einfache Mann steht, der sich vom Militär mit vermeintlichen oder tatsächlichen Privilegien ködern lässt. Stattdessen rückt die Serie die intellektuelle Mittelschicht in den Mittelpunkt: Künstler, Schriftsteller oder Ärztesöhne ergreifen das Gewehr und verpflichten sich freiwillig bei den Marines – jener Infanterietruppe, die an vorderster Front kämpft –, wobei ihnen gemein eine leicht naive Motivation ins Drehbuch geschrieben wird, die letztlich doch nicht weit von jener abweicht, mit der auch schon die „Band of Brothers“ ins Gefecht gezogen sind: Freiheitsglaube und Pflichtgefühl.
In diesen Rahmen gebettet sind die authentischen Geschichten realer Akteure: Kriegserlebnisse, wie sie sich so oder ähnlich im Pazifik in japanischen Gewässern, vor allen Dingen aber auf den zahlreichen kleinen japanischen Inseln zugetragen haben. Jede dieser Inseln wird für sich mit jenem Schrecken erobert, wie man es aus den Bildern von der Landung am vielzitierten „D-Day“ in der Normandie kennt: Landungsboote preschen durch die Gischt, wild schaukelnd mit überbordenden Wellen, während links und rechts Granaten ins Meer gefeuert werden, ehe sich am Strand das blutige Greuel entlädt und leblose Körper jene Idylle überdecken, die zu friedlichen Zeiten diese paradiesischen Inseln umgibt.
Tragendes Thema ist Tod, Leid und Zerstörung mit all seinen Nuancen wie Wahnsinn, Übermut und Depression. Es passt soweit ins Bild, dass das erste Kriegsopfer ein sogenannter „Kollateralschaden“ ist – ein versehentlich erschossener Sanitäter. Ganz besonders offenbart sich jenes Thema auch in dem Schicksal von John Basilone (gespielt von Jon Seda), der wegen seiner Arbeit auf Guadalcanal zum Kriegshelden erkoren und mit dem höchsten Verdienstorden dekoriert als Werbefigur durch das Land geschickt wird, um als Prominenter Kriegsanleihen zu verkaufen und an diesem Schicksal letzthin fast zerbricht. Während er seinem Bruder noch den Rat gibt, nichts Heldenhaftes zu tun, misst er sich nach seiner freiwilligen Rückkehr auf das Schlachtfeld nicht an seinen früheren Taten, sondern an seinem überhöhten Image – und fällt noch am ersten Tag.
Permanente Bedrohung, Kampf mit den klimatischen Bedingungen in einer Mischung aus Hitze und sintflutartigen Niederschlägen, die das Erdreich in einen tiefen Sumpf aus Schlamm verwandeln, und allnächtliches Zermürbungsbombardement hinterlassen ihre Spuren. Durchdrehende Soldaten, der Wunsch nach Suizid sind die Folge. Da verwundert es nicht, wenn der Krieg seine ekelhafte Fratze zeigt und für die Soldaten von untergeordnetem Interesse ist, ob sie auf japanische Kämpfer oder Zivilbevölkerung schießen. Besonders eindringlich ist das Bild einer tödlich getroffenen Mutter, die beim Stillen in ihrer Holzhütte beschossen wurde und noch ihr kreischendes Baby, Sinnbild der Unschuld, in Armen hält.
Trotz aller Nachdenklichkeit, mit der die gebildeten Bürgersöhne in den Krieg ziehen, bleibt doch eines gleich: Am Ende spielt es keine Rolle, welcher Herkunft sie entstammen, ob sie Helden oder feige sind. Letztlich gibt es keinen „guten Soldaten“, sondern lediglich glückliche, vom Schicksal verschonte, die beiden Lebensrisiken entrinnen: Tod und Wahnsinn.
„The Pacific“ ist ein eindringliches, auf authentischen Erzählungen beruhendes Porträt eines in den Medien eher unterrepräsentierten Aspekts des zweiten Weltkriegs. Machart und Intensität sind vergleichbar mit „Band of Brothers“ und dienen ohne überhöhten Zeigefinger als Warnung vor den Folgen des Kriegs – die ausdrücklich auch die seelischen Nachwirkungen beinhalten: Krieg zerstört Landstriche, Menschen und ihre Seelen.
Bildqualität
Bewusst reduzierte Farbintensität prägt den dokumentarischen Charakter von „The Pacific“. Die Bildschärfe entspricht dem, was man heutzutage auf DVD erwartet. Dank der Aufteilung in zwei Folgen pro Disc besteht kein allzu hoher Druck auf die Kompression, so dass sie beinahe durchweg artefaktarme Bilder liefert – mit Ausnahme der euphorischen Begrüßungsszene in Australien. Der hohe Bewegtanteil lässt die Kompression an ihre Grenzen stoßen.
Tonqualität
Der Ton liegt in Dolby Digital 5.1 mit 448 kbps vor. Der hohe Aufwand, mit dem die Serie produziert wurde, schlägt sich auch in der Akustik nieder, die den Hörraum immer wieder so weit öffnet, dass man sich mitten in das bedrohliche Geschehen hineinversetzt fühlt, etwa wenn das Landungsboot sich durch die Brandung quält oder inmitten des nächtlichen Dschungels, wenn plötzlich das Bombardement einsetzt und mit grollendem Donner immer näher auf den Zuschauer herankommt, ehe ringsum nur so die Kugeln und Schrapnellen pfeifen. Dabei wird der Frequenzkeller immer wieder bemüht und die zahlreichen Explosionen lassen die Muskeln im Subwoofer spielen.
Extras und Technisches
Die Menügestaltung ist ebenso schlicht wie gelungen. Beide Folgen einer Disc können auf Wunsch separat oder unterbrechungsfrei am Stück geschaut werden. Wird die Wiedergabe unterbrochen, lässt sie sich später direkt an derselben Stelle fortsetzen (Resume Play).
Zu den Extras zählen Profile derjenigen Personen, die auch in der Serie eine wichtige Rolle spielen. Alte Freunde, Bekannte, Verwandte erinnern sich in den bis zu 10-minütigen Beiträgen an John Basilone, Eugene Sledge, Robert Leckie, Sidney Phillips, R.V. Burgin und Chuck Tatum.
Ein 23-minütiges Making Of wirft einen Blick hinter die Drehkulissen, wobei die Beteiligten – einschließlich Tom Hanks und Steven Spielberg – vor Szenen aus der Serie aus dem Nähkästchen plaudern. Das 10-minütige Feature „Anatomie des Pazifikkrieges“ geht auf die Beweggründe Japans für den Krieg sowie die Mentalitätsunterschiede zwischen den japanischen und amerikanischen Soldaten ein.
Filmsammler stören sich immer wieder an dem großflächigen Logo zur Altersfreigabe auf dem Coverbild. Warner löst das Problem, indem das Logo auf einem abnehmbaren Pappstreifen aufgedruckt ist, der die stabile Metallbox umfasst.
Aktion
Wir veranstalten ein Gewinnspiel zu „The Pacific“. Zu gewinnen gibt es die DVD-Box sowie ein T-Shirt. Näheres dazu ist zusammen mit den Teilnahmebedingungen an dieser Stelle unserem Forum zu entnehmen.
Zusammenfassung
- Studio: Warner
- Altersfreigabe: ab 16
- Laufzeit: 522 Min.
- Verpackung: Metallbox
- Disc-Typ: 6 x DVD-9
- Audiospuren: Deutsch, Englisch, Italienisch in Dolby Digital 5.1, 448 kbps
- Untertitel: ja
- Resume-Play: ja
- Extras: siehe Text




